Von dieser Safranblüte haben einige Bienen genascht. Sie sind von der narkotisierenden Wirkung des Safran regelrecht "betrunken". Manche Bienen oder Hummeln bleiben mehrere Stunden, oft sogar bis zum nächsten Morgen in den Blüten liegen, bis sie wieder "nüchtern" und imstande sind, wegzufliegen.
Interessant, nicht wahr?
Wenn Sie mehr über diese aussergewöhnliche Pflanze und deren sehr interessante Geschichte wissen möchten, lesen Sie bitte weiter. Und nehmen Sie sich etwas Zeit dazu!
KLEINE SAFRANGESCHICHTE
ZUSAMMENGESTELLT VON EVA KLASNA für ORF-Burgenland „Treffpunkt Burgenland" (lit. Quelle u.a.: Dr. Erwin Jossen, „MUND, DAS SAFRANDORF IM WALLIS", Rotten-Verlag Brig/Schweiz, 1989)
SAFRAN, lat. CROCUS SATIVUS
Zwiebelgewächs aus der Familie der Schwertlilien (Farbstoff = Crocetin, Geruchsstoff = Picrocronin)
Im Altertum, vor allem von den Ärzten, als KÖNIGIN DER PFLANZEN bezeichnet
Ursprung vermutlich Kaschmir (daher auch die Bezeichnung „Kaschmirzwiebel"), von den Arabern nach Spanien, von dort von Händlern, Mönchen, Söldnern über Europa verbreitet (vornehmlich unter höchst abenteuerlichen Umständen „geschmuggelt").
Safran braucht feinsandigen Boden, leicht lehmig und locker, trocken, eher mager, in fettem, feuchten Boden verfault er.
WO WEIN GEDEIHT, WÄCHST AUCH SAFRAN. Safran verträgt jedoch mehr Kälte als Wein. In MUND (Europas berühmtesten „Safran-Dorf" im Oberwallis/Schweiz) werden die Safranfelder nach der Roggenernte (2 Ernten vom selben Feld: 1. Roggen und 2. Safran) bestellt, zwischen dem 10. und 30. August, Zwiebeln 18 - 25 cm tief gesetzt, nicht oder nur sehr selten gedüngt (trockener Schaf- oder Kuhmist, Getreidestoppeln, Hobelspäne z. Abdecken). Krankheiten nur bei falschem Boden (Fäulnis, Schmarotzerauswuchs, Pilz: kreisförmige kahle Stellen).
5000 m2 Acker ergeben max. 3 kg Safran, bei ca. 80 Blüten pro m2.
l kg Safran = 100.000 bis 150.000 Blüten, durchschnittlich 130.000
1 g Safran = 120 Blüten = 360 Fäden, 1 kg also ca. 360.000 Fäden
Gewichtsverlust beim Trocknen ca. vier Fünftel.
Der Arbeitsaufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag, deshalb der hohe Preis! Safran war immer schon teurer als Gold, im Mittelalter 2 bis 3 Mal teurer.
Der heutige europ. Bedarf wird hauptsächlich von Griechenland und Spanien gedeckt. Beste europ. Qualität ist der MUNDER SAFRAN (laut einer Studie d. Uni Würzburg; man braucht nur 1 Viertel im Vergleich zu anderen Sorten). Im Altertum beste Qualität aus Kyrene, Tarsus (Kleinasien) und dem spanischen Orta (ist auch noch im Mittelalter mehrfach erwähnt).
Die „Nürnberger Safranordnung" v. 1613 erwähnt 15 "gute" Sorten, darunter auch österreichische! Anbaugebiete in Österreich waren Korneuburg, Loosdorf, Ravelsbach, Krems und Melk. Die Ortsnamen SAFFEN bei Scheibbs und SAFRAT bei Amstetten erinnern an den damaligen Anbau und Handel.
SAFRAN HAT EINE MEHR ALS 4-TAUSENDJÄHRIGE GESCHICHTE!
vor 3500 Jahren erstmals schriftlich erwähnt: im 16. Jh. v. Ch. auf altägypt. Papyrus, auf welchem über 30 Safranrezepte f. medizinische Zwecke beschrieben sind (Augen, Kopf, Bleichsucht, Herzstärkung, Nervenleiden, Gliederleiden, eitr. Wunden, Geschwüre, Blasen- und Leberleiden), zur innerl. Anwendung und als Salben und Pflaster.
SUSTRUTAR AYUR VEDAR, 15. Jh. v. Chr.: bei Knochenbrüchen, gg. Nasenbluten. Er hätte Sterbende mit bereits gebrochenen Augen mit Safran dem Tod entrissen.
HYPPOKRATES, 4. Jh. v. Chr.: gegen „vielerei Krankheiten", hauptsächlich bei Frauenleiden und zur Geburtshilfe.
THEOPHRAST VON ERESOS, 4.-3- Jh. v. Chr. gibt erste botanische Kennzeichnung und Information über den Anbau und die Anbaugebiete. Erwähnt den Safran von KYRENE (Nordafrika) als den besten. Von dort stammt vermutlich der europäische Safran, von den Arabern nach Spanien gebracht und von dort aus über Europa verbreitet.
Rom: erste Erwähnung im 2. und 1. Jh. v. Chr. Hohen Persönlichkeiten (z.B. Nero bei der Rückkehr aus Griechenland!) wurden Safranblüten gestreut. In den Theatern wurde Wasser mit Safran über die Zuschauer gesprüht zur Erfrischung und Parfümierung. Die Safranpflanze war der Göttin Diana geweiht.
DIOSKRIDES (röm. Militärarzt) erwähnt Safran als Mittel gegen Rheuma und Trunksucht (mit Safran widerstehe man der Trunkenheit!).
Frauen färbten ihre Schleier mit Safran: es vertreibe die Läuse und mache fröhlich (auch im frühmittelalterl. Irland erwähnt)
Griech. Mythologie: Musen und Nymphen waren „safrangewandet", später auch Königinnen und Fürstinnen. Oft erwähnt in allen klassischen Theaterstücken (Sophokles, Aeschylos etc.). Safran wurde weltweit als Färbemittel verwendet und ist erst durch die moderne Chemie verdrängt worden. Auch bei Künstlern als Malfarbe hochgeschätzt, weil einfach in der Herstellung ohne chem. Bindemittel (nur Wasser, Ei) und sehr haltbar.
Glanzzeit des Safranhandels 14. und 15. Jh.: Venedig hatte die Vormachtstellung für „das wichtigste Gewürz überhaupt", aber auch Deutschland, Frankreich, die Schweiz hatten eine grosse Bedeutung. Auch Österreich „mischte mit", die Habsburger erhoben in Aarau einen SAFRANZOLL für das „rote Gold". Safran war damals die teuerste und begehrteste Handelsware überhaupt! Es wurden sogar Kriege geführt um Safran (z.B. 1374 der Safrankrieg von Balsthal)
Was gut und teuer ist, verführt zu Fälschungen! Bereits PLINIUS (röm. Geschichtsschreiber) sagt: „Nichts wird so sehr verfälscht wie Safran". Zur Bekämpfung der Fälscher wurden „Safranschauer" (allein in Venedig waren es an die 1500!!) bestellt, die schwer bewaffnet waren. Die Strafen waren äusserst streng, bis hin zur Todesstrafe (war für „Safranfälscher" europaweit bis 1591 in Kraft!!).
1449 wurde ein Fälscher in Nürnberg mitsamt seiner Ware öffentlich verbrannt.
1499 einem Fälscher beide Augen ausgestochen
1456 in Zofingen 2 Händler öffentl. verbrannt, eine Helferin lebendig begraben.
Gefälscht wurde Safranpulver mit Mennige oder Zinnober, Kalk und Gips, gefärbtem Stärkepulver. Mit Kreide und Honig wurde das Gewicht erhöht. Fäden wurden verfälscht mit Rindfleischfasern, feingeschnittenen gelben oder rötlichen Blütenblättern (Ringelblume, Färberdistel), Saflorblüten und Sandel. Solche Fälschungen werden auch heute noch in orient. Bazaren gutgläubigen Touristen angedreht. Man entwickelte damals sehr komplizierte Prüfverfahren, um die Fälscher zu entlarven.
Safranpulver wird auch heute noch gefälscht. Eine grossangelegte Studie der Uni Würzburg (1986) ergab, dass in ALLEN geprüften Produkten (zusammengetragen auf Märkten aus der ganzen Welt!) KAUM ODER NUR SEHR WENIG SAFRAN enthalten war! Also äusserste Vorsicht beim Kauf (z.B. auf orientalischen Märkten) von Safranpulver. Reinen echten Safran bekommt man nur beim Erzeuger, seriösen Gewürzhändler, in Apotheken oder Drogerien als ganze FÄDEN.
Heute wird Safran hauptsächlich als Gewürz verwendet (die alten medizinischen Anwendungen muss man erst wieder entdecken!). Es ist immer noch das teuerste Gewürz der Welt, würzig, aromatisch, innerlich erwärmend, verdauungsfördernd, desinfizierend. Verwendung in allen fernörstl. (Indien, Persien etc.) und mediterranen Gerichten, zusammen mit Nelken, Kardamom, Anis, Koriander, Fenchel, Lorbeer, Muskat und Thymian. Safran ist ein wesentlicher Bestandteil vieler Currymischungen.
In MUND macht man „Safrankaffee“ und „Mutz“ (= süsses Safranbrot, dessen Rezept streng geheim gehalten und nur an den Nachfolger übergeben wird).
Ein Munder Bürger berichtete, er habe einmal in ein Viertel Wein eine Prise Safran reingetan und hätte dann 2 Tage lang keinen Hunger mehr gehabt…. Was für eine super Diät!
Die Verwendung in der Medizin des Altertums und Mittelalters war so vielfältig, dass man gar nicht alles aufzählen kann. Mit dem Verschwinden der Safrankulturen in Europa vom 17. bis 19. Jahrhundert geriet auch die Safranmedizin in Vergessenheit. Heute ist Safran nur noch im „Laudanum“ (Opium und Safran) enthalten. Überliefert und auch heute noch nachprüfbar ist die Wirkung des Safrans bei Frauenleiden (Safranwein, Safranöl bei Mens.Störungen), in der Geburtshilfe (krampflösend und beruhigend; Nachgeburt erleichtert) Augenleiden, Hautkrankheiten, Herzbeschwerden (Safran und Kampfer), gegen Magen- u. Darmkoliken, schmerzstillend, desinfizierend.
Verwendung auch in der Tiermedizin. Einer Kuh, die kalbte, verabreichte man ein Butterbrot, das mit Kreide und Safran bestrichen war. Das ergab eine bessere Milch.
In Überdosis ist Safran ein gefährliches Rauschmittel (Halluzinationen!), die tödliche Dosis liegt bei ca. 10 – 12 g! Wurde früher als „der fröhliche, lachende Tod“ bezeichnet. Im ersten Stadium starker Lachreiz, dann Herzklopfen, Schwindel, Sinnestäuschung. Schliesslich Lähmung des Zentralnervensystems, was zum Tod führt.
Wahre „Meister“ in der Verwendung von Safran zur „unauffälligen, aber sicheren Beseitigung“ unbequemer Mitbürger sollen die Medici’s (wer sonst!?) gewesen sein. Die „todsicheren“ Rezepturen wurden angeblich sehr gewinnbringend in einschlägigen Kreisen gehandelt, aber nur mündlich weitergegeben und sind darum nicht überliefert. Nun – wer weiss ...?? – vielleicht findet sich in so mancher mittelalterlichen, heimlichen Klosterbibliothek doch noch irgendwo so ein unfehlbares Rezeptchen..?? Es wird aber als ziemlich sicher angenommen, dass diese geheimen Mixturen hauptsächlich zusammen mit starkem Alkohol verabreicht worden sind.
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